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30. Mai 2005 |
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 Nach 3 Jahren und 35000 Kilometern, ungezaehlten Laendern und Begegnungen, viel Sonne und viel Gegenwind, schoepferischen und erschoepften Momenten, viel Freude und viel Streit ist es endlich soweit:
WIR WERDEN HEIRATEN!!
Naja, erstmal kommen wir nach Hause und Feiern ne Party.
Also: Wir haben es geschafft, wir sind in Neuseeland, der Rueckflug ist gebucht, das Feuerwerk verglommen und die Sektpullen leer. Ausgebrannt kommen wir nach Hause und freuen uns auf alle, die uns eine schoene Heimkehr bereiten wollen. (Pokale bitte ohne Rechtschreibfehler gravieren. "Tommy & Mareike" ;o))
Damit wir vor lauter Freudentaumel nicht noch mehr Mist schreiben, ist hier unsere Einladung:
Am Abend des 16.07. gibt's in Berlin Fridrichshain in
der Mainzerstrasse 1a,
Ne Party von Tommy und Mareike, denn wir sind wieder da.
Geladen sind alle, auf die wir uns schon lange freuen
Ebenso deren Freund oder Partner, wir sind neugierig
auf alle Neuen.
Keine Unterkunft in der Naehe und auch kein Geld
dafuer ?
Oh, wir kennen das, sag Bescheid, wir bemuehen uns um ein
Bett und 'ne offenen Tuer.
Mehr als 3 Jahre haben wir Deutschland von unserer
Anwesenheit verschont;
Mareike hat noch nie und Tommy schon 8 Jahre nicht mehr
in der Hauptstadt gewohnt.
Es gab viel Natur und viele grosse Staedte fuer uns in
der letzten Zeit,
Nach Tehran, Delhi, Bangkok, Jakarta, Sydney und London
sind wir jetzt fuer Deutschland und Berlin bereit.
Tommy und Mareike
P.S. Fuer Wegbeschreibung und weiteres: MELDEN (per mail, wir sind noch unterwegs!)
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Tommy und Mareike |
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22. Mai 2005 |
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 Ausgehungert nach der Grossstadt vergnuegten wir uns schon mal ein paar Tage in Melbourne mit Strassenfestival, Ausstellung und Musik an jeder Ecke. Aber richtiges Metropolengefuehl verspuerten wir erst in Sydney, das zu unserer Ueberraschung "Sidni" ausgesprochen wird. Der erste Weg fuehrte uns zur Oper. Schon tausendmal auf Bildern gesehen hat sie uns dennoch beeindruckt. Abends angekommen, konnten wir die Augen bis zum Schlafengehen nicht mehr davon lassen. Mitten in der Nacht wachten wir auf. Regen. Und wir draussen ohne Zelt. Grossartige Idee. Den Rest der Nacht verbrachten wir mit Frieren und den possierlichen Possums, die um uns herum auf staendiger Futtersuche waren.
Am nachsten Morgen rissen wir uns vom Anblick der Oper los, packten unsere Sachen, verschwanden aus dem Park und machten uns wie jeder vernuenftige Mensch auf in ein 'Backpacker Hostel'.
Die naechste Woche war geballte Grossstadt mit klassischem Sightseeing, Museums- und Galeriebesuchen und mal wieder richtig Tanzen gehen. Wir wohnten in einem koreanischen Hostel im Touristen- und Rotlichtviertel der Stadt. Es war wie eine Miniaturreeperbahn. Zu Fuss gingen wir in die Innenstadt, wanderten durch ein Stadtviertel mit dem schoenen Namen 'Woolloomooloo' (Verzeihung, falls ich es jetzt doch falsch geschrieben habe), durch Viertel mit wunderschoenen viktorianischen Stadtvillen, besuchten 'Bondi Beach' streiften durch eine Art Speicherstadt, durch Einkaufsviertel und Chinatown, wo bestimmt 90 % der Passanten Asiaten sind, um immer wieder am Hafen anzukommen, vom dem aus man innerhalb weniger Schritte einen Blick auf die Oper, die Harbour Bridge und die Skyline werfen kann.
Ganz im Gegensatz zum Rest des Landes bewiesen die 'Sydneysiders', dass sie ein draussen lebendes Volk sind. Die Innenstadt war abends gerappelt voll mit Menschen. Natuerlich kamen noch haufenweise Touristen dazu, wobei man die Unterschiede schwer feststellen kann, da das Einwandererland an sich schon ein wundervoll gemischtes Volk hat.
Die Zeit in der Stadt ging sehr schnell vorbei und dann hiess es auch schon auf zum Flughafen. Neuseeland wartet. Was uns dort wohl erwartet? Das erste Mal seit langem geht es in den Winter (waehrend ihr alle Fruehlingsgefuehle bekommt) aber vor allem: wird Neuseeland so sein, wie wir es uns ertraeumt haben? oder werden unsere schlimmsten Befuerchtungen wahr, dass die Neuseelaendische Tourismusindustrie sehr gute Arbeit geleistet hat und das Land gar nicht sooo toll ist? wir trafen ein paar Langzeitreisende, die sehr enttaeuscht waren... wie werden die 'Kiwis' sein, anders als die Australier? sind zwei Monate zu viel oder viel zu wenig?
Wir werden es erfahren.
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Mareike und Tommy |
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14. April 2005 |
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 "Yeah!" Langsam schiebt er sich die schwarze Plastikbrille mit dem knochigen Zeigefinger den blassen Nasenruecken hoch und streichelt sich durchs angefettete dunkle Haar, dessen duenne Enden sich an der Schulternaht des schwarzen Wollpullovers splitten.
"Waas?!" kreischt sie daraufhin, "Was hast du, Nathan?" Die Augenpaare der Umstehenden auf sich spuerend dreht sie sich theatralisch um, zieht den Mantel mit dem Totenkopfemblem am tiefschwarzen Kunstfell enger, grinst ihrer Freundin an den Zylinder tippend zu und quiekt "I go home and kill myself!".
Ein Mittdreissiger mit Flip Flops, Billabong Shorts und mit uebereinandergehenden Schriften bedrucktem Muskelshirt blickt laessig zu der Gruppe Jugendlicher, laechelt und wendet sich dann wieder seiner kleinen Tochter zu, die mit dem knallblauen Softeis kaempft, dass auf der weissen "Paris"-Aufschrift des kurzen pinken Rockes herumschmiert. Dem schrillen "Uuuh, how are you?" direkt hinter sich schenkt er keine Aufmerksamkeit mehr.
Bei einer ueberschwaenglichen Umarmung faellt der Zylinder herunter und ein Zentimeter aschblonden Haaransatzes glaenzt neben mattem Schwarz im Sonnenschein. Die Freundin bueckt sich, wobei der kurze Rock gefaehrlich viel glattrasiertes Bein zeigt. Ihr Haar riecht nach einer frischen Blondierung. Sie praesentiert ein paar neu gekaufte Shirts, Schuhe und Roecke und die gemalte Taetowierung, die einer der Popstars auf MTV kuerzlich erst preisgegeben hat.
Rosalie faehrt mit dem Fahrrad an ihr vorbei, das kurzgeschnittene dunkle Haar unter einem Helm versteckt. Sie beschaeftigt sich weniger mit Mode als mit sozialkritischen Themen, ihrer Familie und ihrem grossen Hobby Radfahren. Neben Boot und Trampolin zieren Liegerad, Tandem, Falt- und Rennraeder den Garten der Familie. Sie wohnt mit Partner und den beiden jugendlichen Soehnen im noerdlichen Teil Adelaides.
"Die Medienwelt in Australien ist ziemlich einseitig", findet sie. "Das meiste hat Rupert Murdoch in seiner Hand. Ich fuehle mich nicht gut informiert von Zeitung und Fersehen. Es gibt viel zu wenig kritische Stimmen, auch in der Bevoelkerung."
Das scheint Rob auch nach mehrtaegigem Dauerfernsehen nicht so zu sehen. Der fuenfzigjaehrige selbststaendige Antennenbauer laesst sich dank des 24-Stunden Newssenders die aktuellen Geschehnisse in Asien keine Sekunde entgehen. Er berichtet uns ueber die Anzahl der vermissten Australier und erzaehlt von der Mutter, die sich entscheiden musste, welches ihrer beiden Kinder sie aus den Fluten rettet. Solche Geschichten und sein neuerworbenes Wissen ueber die Ursachen der Katastrophe erzaehlt er auch seiner Frau Jeanene, die nur abwesend nickt und die Turnschuhe schnuert um am Strand 'walken' zu gehen. Bewegt von der Berichterstattung spendet Rob grosszuegig und verkuendet stolz, dass die Australier mehr Geld als alle anderen Nationen gegeben haben. Erinnert an das Unglueck in der Welt zeigt er uns ein paar Fotos seines Patenkindes aus Thailand, dass er mittlerweile seit 7 jahren finanziell unterstuetzt, damit es zur Schule gehen kann.
Unterstuetzt werden auch Australier von Australiern. Wir beobachteten,wie schnell die Spendenkisten fuer die Opfer des groessten Feuers seit 150 Jahren bei Adelaide gefuellt werden. Mit Bettlaken, Videospiele, Chipstueten und Fernseher, waehrend in der Zeitung von der Tochter eines Schaffarmers erzaehlt wird, die trotz Verlust des Hofes wie geplant heiratet. In den Melbourner Nachrichten wird derweil nach einem Raeuber gesucht, der in der vorigen Nacht einem Paerchen die Tasche entrissen hat und davongelaufen ist. Ansonsten ist es ruhig im Land.
Wie bei Bruce und Brian in ihrem Zimmer auf der Birnenfarm. Die beiden Brueder sind zusammen von New South Wales zum Murray River in den Nachbarstaat Victoria gegangen zum Fruechte pfluecken. Die Saison ist seit einigen Tagen zu Ende und die beiden nutzen die freie Zeit um zu kiffen und all das viele Bier zu trinken, dass sie mit dem Taxi vom Alkoholshop geholt haben. Ob sie wohl mit dem Taxi durch den 'Bottleshop drive-in' gefahren sind? Im Moment kurieren sie ihren Kater aus. Die keckernde Lache ist nicht zu hoeren. Wenn Geld und Bier alle sind wollen sie zum Zitrusfruechte pfluecken "ganz hoch in den Norden reisen", in die Naehe von Brisbane. Sie glauben uns nicht, dass wir quer durch Australien geradelt sind, ihre Welt faengt in New South Wales an und hoert kurz hinter der Bundesstaatengrenze auf. Die 'Great Ocean Road', direkt an der Suedkueste des Landes neben Melbourne, liegt fuer Bruce und Brian schon mitten im Outback.
Seitdem wir das Outback verlassen haben sind schon wieder etliche Wochen vergangen, in denen wir das eigentlich wahre, naemlich das besiedelte Australien besucht haben. Seit 5 Monaten sind wir nun insgesamt im Land. 5 Monate, in denen wir Nachrichten verstehen, einfach so etwas mitbekommen und niemandem etwas 'aus der Nase ziehen muessen'. Wie schoen. Es ist eine gemeinsame Sprachbasis vorhanden, Mimik und Gestik sind verstaendlich, wir koennen uns wieder mit den Menschen, die wir unterwegs treffen unterhalten und bekommen dadurch einen viel groesseren Einblick was sie bewegt und wie ihr Leben so tickt. Wir stellen fest, dass Australien unserer Heimat trotz aller Entfernung doch sehr aehnlich ist. Zumindest im Vergleich mit all den vielen Laendern, die wir in den Monaten davor bereist haben.
Wir beschaeftigen uns nicht mehr mit Arm und Reich, eher mit der Frage, wer verdient richtig viel und wer bekommt 'nur' Sozialhilfe. Statt turbulenter Maerkte voller fremder Gerueche, Geschmaecker und Konsistenzen gibt es unzaehlige steril verpackte Lebensmittel im Supermarkt, wo die Augen und die Dollars entscheiden muessen. Anstelle von zusammengebastelten Huettensiedlungen und Massen an mittellosen Obdachlosen sehen wir Fertighaeuser, die dem Katalog entsprungen scheinen und ein paar Obdachlose, die nicht wissen, wohin mit all ihren Besitztuemern. Ein Klo ist kein Loch im Boden zum Scheisse wegspuelen, sondern eine gepflegte weisse Sitztoilette mit bluetenreinem Papier zum Reinigen in bequemer Erreichbarkeit. Es gibt keine Verkehrsstaus mit Rollwagen, Fahrraedern, Rickshaws und sonstigen Vehikeln. Statt dessen geregelten fliessenden Verkehr und niemanden auf der Strasse, den wir nach dem Weg fragen koennen. Religion spielt keine offensichtliche Rolle mehr, also befassen wir uns mit der ungewohnt gestylten Mode und anderen Hobbies der 'Aussies', wie Quad und Boot Fahren.
Irgendwie fuehlen wir uns wie zu Hause und irgendwie ja aber doch nicht. Um auf eine Frage zu antworten, die wir uns, die wir anderen und andere uns immer mal wieder stellen: Trotz all des blauen Himmels, des Wohlstandes, der vielen tollen Leute, die wir kennengelernt haben, ihrer Freundlich- und Freigiebigkeit, der witzigen Tiere, dem fantastischen Sternehimmel, der guenstigen Riesenportionen Pommes und dem froehlichen australischen Englisch gibt es in 'Oz' doch Dinge mit denen wir ungern auf Dauer leben wuerden. Bei uns werden wir nicht so schnell fett. Und nicht ueberall laeuft der Fernseher. Und so viele Modepueppchen und Tussis gibt es auch nicht. Unsere Wirtschaft laeuft nicht 'wie eine Dampfmaschine' aber es wuerde auch keiner sagen "Im Grunde genommen ist dieses Land langweilig". Unser Nationalstolz koennte ebenfalls hoeher sein, aber dafuer interessieren auch noch Geschehnisse in Laendern neben dem eigenen. Jeder ist immer hoeflich hier, aber ein Laecheln kann auch innerhalb einer Hundertstelsekunde wieder verschwinden. Leider gibt es kein Schwarzbrot, dafuer ein riesiges Angebot an asiatischem Lebensmitteln. Trotz Multikulturalitaet scheint der weisse Englaender ab etwa 5. Generation immer noch als wahrer Australier vorzuherrschen. Der egal wann eingewanderte Asiate bleibt Asiate und auch der Englaender in 2. Generation ist 'ein Pom'. Kartoffeln, Brot und Fleisch sind Hauptnahrung wie bei uns. Pommes und Toastbrot und das tagtaegliche Steak auf dem Elektro Barbeque/BBQ/Barbie (=Grill). Und vor allem muss ich in Deutschland noch keinen Helm beim Fahrradfahren tragen!!
Wie schon Inder und Thailaender sagten, es ist "Genau so, nur anders" oder auch: "same same, but different".
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Tommy und Mareike |
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04. März 2005 |
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 We were out to billy-yo. Thru the middle of the bush. What a rip-snorting place. Strewth! People were bullfighting friendly. Then we were up the creek. The pushie it's carked it. We looked like a stunned mullet. It was a stinker of a day, we were spewin' and didn't know what to do. But then a mate came, gave us a lift and a beer and took us to town. It was flat out like a lizards drinkin'. And there we are, back in Katherine, that's the story for now.
In Kurzversion und ohne Bushie-slang bedeutet es, zwei Tagte nachdem wir Katherine verlassen hatten, brach, wie befuerchtet, Mareikes Hinterrad. Alan, ein supernetter Australier, nahm uns mit zurueck und spendierte uns sogar eine Uebernachtung.
Wir versuchten in Katherine ein halbwegs bezahlbares Hinterrad zu finden. Da es sich als unmoeglich herausstellte, telefonierten wir herum und warteten schliesslich mehrere Tage auf ein Paket, dass mit dem Linienbus aus Adelaide kommen sollte. Als wir genug Zeit an den Hot Springs des Ortes verbracht hatten - welche bei 40 Grad im Schatten direct erfrischend wirkten - das Rad schliesslich kam und augewechselt war, ging es weiter, diesmal ohne Zwischenfall.
Tag fuer Tag standen wir mit der Sonne auf, fuhren durch die Hitze des Tages und gingen mit ihr Schlafen. Die Strasse war lang und gerade, noch nie konnten wir so weit bis zum Horizont gucken. Ein paar Autos passierten uns. So wenige, dass wir die Natur voll in uns aufsaugen konnten und genug um im Falle einer Panne keine Angst ums verdursten haben zu muessen. Es war anstrengendes Fahren. Hitze, Gegenwind und die vielen Extrakilos von Nahrung und Wasser waren zu spueren. Dennoch glitten die Kilometer an uns vorbei. Seichte Huegel hoben uns auf eine Ebene von der wir noch weiter uebers Land schauen konnten. Weit und breit keine Stadt, kein Ort, kein Haus, nur hin und wieder ein paar Solarzellen und ein Haeuschen, in dem elektronische Signale ueber die weiten Strecken weitergeleitet werden.
Grosse Schwaerme Kakadus flogen keifend ueber uns hinweg, ihre weissgelben, rosanen und schwarzen Fluegel gaben ein fantastisches Bild vor dem strahlendblauen Himmel ab. Adler zogen mit grossen Schwingen dahin, beobachteten Nichtigkeiten der Welt aus anderen Sphaeren oder gaben sich der Banalitaet des Fressens an neben der Strasse liegenden Kadavern hin. Kaengurus in Huelle und Fuelle, mal ein stinkendes Emu, Echsen und einmal ein Pelikan. Wie kam der wohl hierher?
Die wenigsten lebenden Tiere bemuehten sich in der Hitze des Tages in unsere Sichtweite. Am haeufigsten sahen wir noch Kaengurus, die mit den ewigen Zaeunen der Rinderfarmen kaempften. Unvorstellbar grosse Gebiete abgeriegelt mit Draht und Stacheldraht, nur wenige Rinder zu sehen und das Farmgebaeude konnte man meist nur aufgrund der Wegweiser erahnen. Ein Treckerreifen an einem knorrigen Baum, davor eine weiss angemalte Blechtonne mit der Aufschrift "Numagalong Station 158 km" neben einer Schotterstrasse. Oder ein alter Kuehlschrank, ebenfalls umgebaut zum einem Briefkasten.
Einmal trafen wir einen wahren Cowboy, er fuhr in die Stadt um mit seinen "mates" ein paar Bierchen zu zischen. Er war 70 und die Furchen in seinem Gesicht erzaehlten Geschichten. Er trug einen angeschwitzten ledernen Cowboyhut, ein blaugraues Karohemd unter der Weste und eine Jeans. Und wenn er es nicht erwaehnt haette, so haette man an seinen Haenden gesehen, dass er auf der Farm gearbeitet hat seit er ein kleiner Junge war. Grosse rauhe Pranken, gezeichnet vom Zaeune flicken, Bullen fangen, Dingos schiessen und Rinder kennzeichnen.
Nur drei Vollzeit Cowboys kuemmern sich um die 4000 Tiere, meistens wird geritten, nur fuer gewisse Arbeiten der Gelaendewagen genommen. Aber seine Farm sei klein, erzaehlte er uns, waehrend er mit drei Fingern der linken Hand geistesabwesend eine Zigarette drehte. Andere in der Umgebung haben bis zu 40000 Rinder. Die Arbeit sei fantastisch, ein Laecheln umspielt seinen Mundwinkel waehrend er das Blaettchen befeuchtete. Es gaebe Tiere, die sich in den Weiten des Territoriums verlaufen und Jungtiere, die nach 5 Jahren das erste Mal einen Farmer gesehen haben. Um ausreichende Wasserversorgung kuemmere er sich und er vernichte giftige Pflanzen, die den Tieren Schaden koennten.Der alte Cowboy klemmte sich die fertige Zigarette unangezuendet in den Mundwinkel. Er sprach von Duerren, den Veraenderungen der Zeit und dass auf seine Maenner immer Verlass sei. In dem Moment erinnerte er sich wieder an seine Verabredung, entschuldigte sich, schuettelte uns kraeftig die Hand und machte sich auf in Richtung Pub.
Wir fuhren weiter der Sonne entgegen. Bis zu 30 Liter Wasser verbrauchten wir pro Tag. Dennoch wurden die Lippen sproede und platzen schliesslich auf. Wasserstellen waren selten aber immer ausreichend. Und wenn es einmal vorkam, dass Roadhousebesitzer kein Wasser umsonst herausgeben wollten, nur teures gekuehltes abgefuelltes Wasser hatten oder salziges von der Pumpe, so fand sich immer eine hilfsbereite Seele, die uns zum kostenlosen Auffuellen unserer Wasserreserven verhalf.
Die Umgebung wurde tendenziell trockener. Aus der kleinwuechsigen Eukalyptusbaumlandschaft ist Buschland geworden. Tote losgerissene trockene Bueschel wirbelten in Miniaturwindhosen ueber die Strasse und die Natur neben der Strasse wurde mit ihren Dornen immer unwirtlicher. Die verschiedenartigen Termiten, die seit dem Norden des Landes ihre architektonischen Meisterwerke uberall aufstellten, gaben sich einen kroenenden Abschluss. Auf einem kleinen Gebiet wechselte die Farbe des Erdbodens mehrfach, so dass graeuliche, beige und rotbraune Termitenhuegel dicht beieinander standen. Spitze scharfkantige standen ein letztes Mal abgerundeten sanft geformten Bauten gegenueber bevor die Landschaft sich ein weiteres Mal veraenderte und die Termiten ihre Tunnel unterirdisch verlegten.
Goldgelbes Spinifex Gras wiegte im Wind und weil dieses Jahr verhaeltnismaessig viel Niederschlag gebracht haben soll, bluehten kleine violette und gelbe Bluemchen im Schotter am Strassenrand. Zart und zerbrechlich in der rauhen Umgebung. Flirrende Stille herrschte, nur unterbrochen durch ein paar Voegel und Eidechsen, die bei der kleinsten Bewegung weghuschten.
Froehlich winkend, hupend und “Merry Christmas! God bless you!” rufend, ueberholte uns eine schon bekannte Aboriginal Familie. Die zottelhaarigen Koepfe der vier Kinder guckten aus dem staubigen Wagen. Als wir uns das erste Mal trafen, konnten sie kaum glauben, was wir vorhatten. “Da ist doch nichts ausser Buschland! You can’t go there!”
Doch entlang der Strasse, des Stuart Highways, benannt nach dem grossen Pionier, der als erster das Land von Sueden nach Norden komplett durchkreuzte, waren nicht nur unendliche Ebenen, Buesche und roter Sand, sondern auch einige “historische Staetten". Mehr oder minder interessante Orte, die die junge Geschichte Australiens dokumentierten von Pionier-, Minen- und Goldgraeberzeit, wichtigen Orten im Zweiten Weltkrieg bis hin zu Brueckenbau in den 80er Jahren. Eine der interessantesten Staetten war eine alte Telegraphenstation, die Teil der Verbindung zum Rest der Welt darstellte ab den 1870ern. Die Stille der Umgebung und die gut erhaltenen Gebaeude liessen uns zurueckversetzen in die Zeit, als es hier noch keine Strasse gab, als Reisende und Entdecker ihr Leben aufs Spiel setzen, fuer die Strecke, die wir heutzutage 'mal eben so' fahren koennen. 1897 fuhr Jerome Murif als erster Radfahrer hier entlang und als er an dieser Telegraphenstation ankam war er halbverhungert und verdurstet und musste sich erst einmal eine Weile erholen. Gluecklicherweise waren die Maenner der Station Selbstversorger mit eigenen Kuehen und Schafen fuer Milch und Fleisch, mit Obst, Gemuese und Wasserversorgung und einem Geraet, mit dem sie wenigstens innerhalb ein paar Wochen Hilfe holen konnten.
Heutzutage ist der Stuart Highway zwar eine der Hauptstrassen im Land, zumindest fuer Lastenverkehr, doch das Verkehrsaufkommen erscheint nicht wesentlich hoeher als damals. Ein paar Mal am Tag fahren "Roadtrains", grosse Laster mit bis zu 4 Anhaengern, entlang. Eine dieser mostroesen Zugmaschienen mit nur drei Anhaengern ist schon mehr als 50 Meter lang. Ausweichen und Bremsen ist nicht mal eben so moeglich, weshalb auch das eine oder andere Kaenguru einen 'Roadkill', also Tod am Strassenrand erleidet. Doch auf den geraden Strecken kann man weit sehen und wann immer es ging zogen diese grimmig aussehenden Laster einen weiten Bogen um uns, damit wir nicht im Windsog die Kontrolle verloren.
Abends schlugen wir unser Lager im Schutz der Dunkelheit neben der Strasse auf. Mit Untergang der Sonne wurde es kuehler und all die hunderten von Fliegen, die wir tagsueber auf Kaengurukadavern oder unseren Ruecken sassen, wurden aktiv und summten uns um die Koepfe. Sie versuchten in jede Oeffnung zu dringen, saugten an der Haut und an feuchten Stellen wie den Augen, machten das Essen schwer und gaben nicht eher auf als bis es zu kuehl fuer sie war. Die Nachttemperatur fiel stark im Vergleich zum Tag, was den Schlaf sehr angenehm machte. Erschoepft von der Anstrengung des Tages fielen wir jeden Abend auf unsere Matten und erholten uns beim Anblick des klaren reinen ueberwaeltigenden Sternenhimmels. Bei Vollmond war es sogar so hell, dass man um Mitternacht ohne zusaetzliches Licht lesen konnte. Es gab keine Unterbrechung durch kuenstliches Licht einer Stadt, keine Wolke, nur hin und wieder einen Roadtrain, der hell erleuchtet an uns vorbeidroehnte. Es war das erste Mal, dass wir den Sternenhimmel sahen und daran dachten, dass unsere Lieben daheim nicht die gleichen Sterne sehen.
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Tommy und Mareike |
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